Vertrauen durch definierte Standards
ISO 3591 ist die internationale Norm, die die Form, Maße, Materialeigenschaften und Nutzungsanforderungen eines standardisierten Wein-Probierglases für die sensorische Analyse festlegt.
Ziel der ISO 3591 Norm ist die Reproduzierbarkeit und Vergleichbarkeit sensorischer Prüfungen.
ISO 3591 legt die Anforderungen fest, die ein Sensorik-Glas erfüllen muss, damit Weinprüfungen unter kontrollierten und reproduzierbaren Bedingungen stattfinden können.
Die Norm legt fest, wie eine Trinkglasform beschaffen sein muss, damit Weine für die sensorische Analyse in Laboren, Ausbildungsstätten und Wettbewerben präzise, vergleichbar und ohne störende Einflüsse bewertet werden können.
Sie definiert Maße, Materialqualität, Form und Nutzungshinweise, die in der Weinbewertung eine zentrale Rolle spielen.
Hintergrund und Ziel der Norm
ISO 3591 entstand aus der Forderung nach einheitlichen Prüfbedingungen.
Sensorische Prüfungen benötigen stabile Rahmenbedingungen, damit Ergebnisse nachvollziehbar bleiben.
Das Glas dient dabei als Prüfgerät.
Es soll die Farbe klar zeigen, das Aroma kontrolliert freisetzen und den Geschmack ohne äußere Einflüsse darstellen.
Die Standardisierung ISO 3591 macht die Beurteilung nachvollziehbar und reduziert Störfaktoren, die sonst jede Analyse beeinträchtigen würden.
12 zentrale Fakten zu ISO 3591
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Normzweck: ISO 3591 legt ein standardisiertes Sensorikglas für die professionelle Weinbewertung fest.
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Glasgeometrie: Das Glas besitzt einen definierten Randdurchmesser von 46 mm und eine maximale Breite von 65 mm.
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Volumenvorgabe: Das Fassungsvermögen liegt bei rund 215 ml; die empfohlene Probemenge beträgt etwa 50 ml.
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Kopfraum: Die Glasform gewährleistet einen kontrollierten Aromaraum, der für die Geruchsanalyse entscheidend ist.
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Materialanforderung: Das Glas muss farblos, transparent und frei von visuellen Störungen sein.
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Neutralität: Das Material darf keine Gerüche aufnehmen und muss vollständig neutral bleiben.
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Grundlage: Die Norm basiert auf dem ursprünglichen INAO-Verkostungsglas aus Frankreich.
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Einsatzbereiche: Das Glas wird in Laboren, Schulungen, Panels und Wettbewerben verwendet.
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Herstellungstoleranzen: Hersteller müssen präzise Maßtoleranzen einhalten, damit das Glas normgerecht ist.
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Qualitätskontrolle: Jede Charge muss auf Maße, Reinheit und Verarbeitungsqualität geprüft werden.
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Normstatus: ISO 3591 wurde seit 1977 mehrfach bestätigt und ist weiterhin gültig.
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Nationale Entsprechungen: In Deutschland wird die Norm durch DIN 10960 gestützt, die ähnliche Vorgaben nutzt.
ISO 3591 definiert ein neutrales, präzises und verlässliches Glas, das als Referenzwerkzeug in der professionellen Weinsensorik dient und dafür sorgt, dass unterschiedliche Prüfungen weltweit nach denselben Standards durchgeführt werden können.
Die Geschichte von ISO 3591
Die Geschichte von ISO 3591 beginnt in Frankreich, wo das INAO-Glas als Referenz für kontrollierte Weinprüfungen entwickelt wurde.
1977 veröffentlichte ISO schließlich die Norm ISO 3591 und definierte darin präzise Maße, Materialanforderungen und Nutzungsvorgaben für ein standardisiertes Wein-Probierglas.
Seit der Veröffentlichung wird die Norm regelmäßig im Fünfjahresrhythmus überprüft und ohne inhaltliche Änderungen bestätigt, da sie sich als stabiler und verlässlicher Referenzrahmen für Laboranalysen, Ausbildungseinrichtungen und Wettbewerbe etabliert hat.
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1977-06-01 | Veröffentlichung der Norm ISO 3591:1977, Erste Ausgabe von „Sensory analysis: Apparatus Wine tasting glass“. |
| 1977 | Aufnahme der Norm durch das Technische Komitee ISO/TC 34/SC 12 (Lebensmittel- und Wein-Sensorik). |
| 1992-08-12 | Systematische Überprüfung der Norm; Ergebnis: Norm bestätigt (Status 90.93). |
| 1997-10-23 | Weitere Bestätigung der Norm nach erneutem Überprüfungszyklus. |
| 2002-07-12 | ISO 3591 bleibt gültig: Überprüfung abgeschlossen und Norm erneut bestätigt. |
| 2005-06-17 | Weitere Bestätigung der Norm; keine Änderungen vorgenommen. |
| 2010-10-20 | Norm erneut im Rahmen des Standard-Überprüfungsverfahrens bestätigt. |
| 2016-08-02 | Fortbestehen der Norm durch erneute Bestätigung; ISO 3591 weiterhin gültig. |
| 2021-12-03 | Abschluss eines Prüfzyklus; ISO 3591 bleibt bestätigt (Status 90.93). |
| 2022-05-10 | Letzte offizielle Bestätigung der Norm, ISO 3591 bleibt aktuell und gültig. |
| 2005 (ca.) | Versuch eines Entwurfs zur Revision (gemeldet als Projekt ISO/WD 3591), das Projekt wurde jedoch 2005 aus dem Arbeitsprogramm entfernt. |
| Seit 1977 bis heute | ISO 3591 dient als international anerkannter Standard für Wein-Probiergläser in Laboren, Prüfstellen, Wettbewerben und Ausbildungseinrichtungen. |
Trotz gelegentlicher Diskussionen über eine mögliche Modernisierung blieb ISO 3591 unverändert in Kraft und gilt bis heute als internationaler Standard für ein neutrales und reproduzierbares Sensorikglas.
Normtreue für echte Vergleichbarkeit
Die Norm legt feste Maße und Materialanforderungen fest, damit jede Verkostung unter identischen Bedingungen stattfinden kann.
Ein Standardglas im Fokus: Warum ISO 3591 die professionelle Weinbewertung prägt
Das Glas wirkt schlicht. Dünnwandig, farblos, mit einer Form, die an ein verlängertes Ei erinnert.
Dennoch gilt es in Laboren, Wettbewerbsräumen und Ausbildungseinrichtungen seit Jahrzehnten als zentrales Instrument: das Wein-Probierglas nach ISO 3591.
Hinter dem unscheinbaren Objekt steht ein technischer Anspruch, der tiefer reicht als die klassische Vorstellung einer Verkostung.
Es geht um Vergleichbarkeit, um Kontrolle und um die Frage, wie sich ein Aroma entfaltet, wenn jede Variable außer dem Wein selbst reduziert wird.
Beständigkeit seit 1977
Die Norm, die 1977 veröffentlicht wurde, wirkt in einer Zeit moderner Glasdesigns beinahe wie ein Relikt.
Doch ihre Beständigkeit ist kein Zufall.
Die internationale Standardisierung sollte eine sensorische Bewertungsgrundlage schaffen, die unabhängig von Mode, Herstellerästhetik oder nationalen Vorlieben funktioniert.
Sie definiert Maße, Materialanforderungen und Handhabungsregeln, die eine reproduzierbare Analyse ermöglichen.
Die Dimensionen, ein Randdurchmesser von 46 Millimetern, eine maximale Breite von 65 Millimetern und eine empfohlene Füllmenge von etwa 50 Millilitern, wurden bewusst gewählt.
Sie erzeugen ein Verhältnis zwischen Oberfläche und Konzentrationsraum, das die Freisetzung flüchtiger Verbindungen kontrolliert.
Von der Ästhetik zur Analyse
Doch warum benötigte die Branche überhaupt einen solchen Standard?
Die Antwort ergibt sich aus den Entwicklungen der Sensorik. In den 1960er- und 1970er-Jahren professionalisierte sich die wissenschaftliche Prüfung von Lebensmitteln, darunter auch Wein.
Nationale Institute, allen voran das französische INAO, nutzten ein festgelegtes Glasmodell für amtliche Bewertungen.
Dieses Modell bildete später die Grundlage für die ISO-Norm.
Die Internationalisierung professioneller Prüfverfahren erforderte ein Gefäß, das weltweit identische Bedingungen gewährleistet.
Die Konsequenz: Die Form wurde nicht als ästhetische Entscheidung verstanden, sondern als analytisches Werkzeug.
Standard vs. Kosten
Hersteller sehen darin eine Herausforderung.
Die Norm verlangt enge Toleranzen, die sich nicht ohne Aufwand einhalten lassen.
Produktionsprozesse müssen so präzise gesteuert werden, dass keine optischen Unregelmäßigkeiten entstehen und die Geometrie innerhalb definierter Grenzen bleibt.
Für Unternehmen, die sich auf wissenschaftliche oder amtliche Prüfungen konzentrieren, ist dies Teil ihrer Identität.
Gleichzeitig drängt der Markt günstige Varianten hervor, die dem Standard ähneln, aber nicht exakt entsprechen.
In Laboren stellt sich dann die Frage: Wie überprüft man, ob ein Glas konform ist?
Ohne klare Auditverfahren bleibt dies ein Risiko für Vergleichbarkeit und Datenqualität.
Genuss vs. Analyse
Sensoriker wiederum stehen vor einer anderen Spannung.
Das ISO-Glas ist ein Werkzeug der Neutralität.
Es soll jeden Wein unter gleichen Rahmenbedingungen zeigen, nicht das beste sensorische Bild eines bestimmten Stils liefern.
Während moderne Glashäuser Formen entwerfen, die einzelne Rebsorten hervorheben, setzt die Normaustattung auf Zurückhaltung.
Dieser Ansatz führt mitunter zu Diskussionen.
Manche Fachleute argumentieren, dass bestimmte Weine eine größere Öffnung oder ein anderes Verhältnis von Kelchvolumen zu Randbreite benötigen, um subtile Schichten freizulegen.
Doch gerade dieser Konflikt verdeutlicht den Zweck des Standards: Er trennt Genussästhetik von analytischer Bewertung.
Grundlagen der Sensorik
In Ausbildungssituationen entfaltet die Norm eine weitere Bedeutung.
Studierende der Önologie oder Lebensmitteltechnologie lernen anhand dieses Glases die Prinzipien der Sensorik.
Die reduzierte Form lenkt den Blick auf das Verhalten des Weins selbst.
Die Klarheit des Materials verhindert optische Ablenkungen.
Die definierten Protokolle, das Halten am Stiel, das Spülen mit derselben Probe vor Beginn einer Bewertung, die geruchsneutrale Reinigung, fördern einen Umgang, der Fehlerquellen minimiert.
ISO 3591 bleibt bestehen
In den vergangenen Jahren hat es Diskussionen über eine Überarbeitung gegeben.
Der Entwurf wurde jedoch nicht weitergeführt.
Die zuständigen Komitees entschieden sich dafür, die bestehende Norm erneut zu bestätigen.
Damit bleibt die Frage bestehen, ob ein aktualisiertes Modell künftig sinnvoll wäre.
Eine Revision hätte weitreichende Folgen: Hersteller müssten Produktionslinien neu ausrichten, Labore ihre Ausstattung ersetzen und Wettbewerbe weltweit ihre Vorgaben ändern.
Gleichzeitig würde ein neuer Standard den historischen Vergleich sensorischer Daten erschweren.
Die Wahl zwischen Fortschritt und Kontinuität ist daher komplexer, als es zunächst erscheint.
Referenzpunkt in der globalen Sensorik
Trotz dieser Debatten erfüllt ISO 3591 weiterhin eine zentrale Funktion.
Es bietet einen stabilen Referenzpunkt in einer Branche, die zunehmend global arbeitet und in der die Zuverlässigkeit analytischer Ergebnisse entscheidend ist.
Das Glas mag unscheinbar wirken, doch seine präzise Konstruktion erinnert daran, wie stark selbst ein kleines Objekt die Wahrnehmung eines Produkts beeinflussen kann.
Am Ende bleibt die Frage, wie sich Standardisierung und sensorische Vielfalt zueinander verhalten sollen, eine Frage, die für die Zukunft der Weinbewertung noch an Bedeutung gewinnen dürfte.
ISO 3591: FAQ
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